Abstandsblitzer auf der A70 bei Theres, km 6.111: Messdetails und Einspruchs-Chancen
Auf der Bundesautobahn 70, einer wichtigen Ost-West-Verbindung in Nordbayern, befindet sich bei Theres, Abschnitt 260, Kilometrierung 6.111 in Fahrtrichtung Bayreuth/Bamberg, eine fest installierte Anlage zur Abstandsmessung. Dieser Blitzer ist bei Pendlern und Fernfahrern bekannt und gefürchtet, da er Verstöße gegen den erforderlichen Sicherheitsabstand konsequent aufzeichnet. Betrieben wird hier ein sogenannter Brücken-Blitzer, der den Verkehrsfluss von oben überwacht.
Standort und lokaler Kontext des Abstandsblitzers A70
Die Messstelle liegt auf der viel befahrenen A70, die das Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck mit dem Dreieck Bayreuth/Kulmbach verbindet. Der Abschnitt bei Theres ist insbesondere im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr stark frequentiert, da viele Pendler zwischen den Wirtschaftsräumen Schweinfurt und Bamberg unterwegs sind. Diese hohe Verkehrsdichte führt oft zu stockendem Verkehr und plötzlichen Bremsmanövern, was das Einhalten des korrekten Sicherheitsabstandes erschwert und die Gefahr von Auffahrunfällen erhöht. Die Installation dieses Abstandsblitzers wird von den Behörden mit der Notwendigkeit begründet, genau solche gefährlichen Situationen zu entschärfen.
Messmethode: So funktioniert der Blitzer vom Typ VKS 3.0
An diesem Standort kommt das Messsystem VKS 3.0 (Verkehrs-Kontroll-System) der Firma VIDIT Systems zum Einsatz. Es handelt sich um ein videobasiertes Messverfahren, das speziell für die Überwachung von Brücken aus entwickelt wurde. So funktioniert der Blitzer im Detail:
- Videoaufzeichnung von der Brücke: Zwei Kameras sind auf einer Brücke über der A70 montiert. Eine Kamera erfasst den gesamten Verkehrsfluss über eine längere Distanz (oft 300 Meter oder mehr), um die Fahrsituation zu dokumentieren. Eine zweite, oft unauffällig platzierte Kamera, dient der Identifikation des Fahrers und der Erfassung des Kennzeichens.
- Referenzlinien auf der Fahrbahn: Auf dem Asphalt sind weiße, quer zur Fahrtrichtung verlaufende Linien markiert. Diese Markierungen sind exakt eingemessen und dienen bei der späteren Auswertung als Referenz zur Berechnung von Geschwindigkeit und Abstand.
- Manuelle Auswertung: Im Gegensatz zu Radar- oder Laserblitzern erfolgt hier keine vollautomatische Messung. Ein geschulter Messbeamter wertet die Videoaufzeichnungen manuell an einem Computer aus. Anhand der Referenzlinien und der Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um von einer Linie zur nächsten zu gelangen, werden Geschwindigkeit und der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug berechnet.
Dieses Verfahren gilt als standardisiert, birgt jedoch aufgrund der vielen manuellen Schritte und technischen Rahmenbedingungen auch spezifische Fehlerquellen, die Ansatzpunkte für einen Einspruch bieten können.
Bußgeldkatalog 2026: Strafen bei zu geringem Sicherheitsabstand
Ein Abstandsverstoß auf der Autobahn kann teuer werden und schnell zu einem Fahrverbot führen. Die Höhe der Strafe hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Der entscheidende Wert ist der "halbe Tachowert" in Metern.
Bußgelder bei Geschwindigkeiten über 100 km/h
| Abstand zum Vordermann | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 180 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 400 € | 2 | 3 Monate |
Bußgelder bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h
| Verstoß | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| Abstand nicht eingehalten (unter 80 km/h) | 25 € | - |
| ...mit Gefährdung | 30 € | - |
| ...mit Sachbeschädigung | 35 € | - |
| Abstand nicht eingehalten (über 80 km/h) | gestaffelt, z.B. bei 90 km/h & <11,25m: 100€ & 1 Punkt | 1 |
Experten-Tipps: Ansatzpunkte für einen Einspruch gegen diesen Blitzer
Ein Bußgeldbescheid, der auf einer Messung mit dem VKS 3.0 System basiert, ist nicht unanfechtbar. Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht kann die Ermittlungsakte anfordern und auf spezifische Schwachstellen prüfen. Besonders an diesem Messpunkt auf der A70 bei Theres sind folgende Punkte prüfenswert:
1. Das "Einscherer-Problem" im dichten Pendlerverkehr
Gerade im Berufsverkehr auf der A70 kommt es häufig zu Spurwechseln. Ein plötzlich einscherendes Fahrzeug kann den Sicherheitsabstand unverschuldet und abrupt verkürzen. Das Messsystem VKS 3.0 erfordert eine Auswertung über eine längere Strecke. Ein juristischer Experte wird prüfen, ob auf der zwingend vorgeschriebenen, lückenlosen Videoaufzeichnung von rund 300 Metern vor der eigentlichen Messung ein solcher Einscher-Vorgang zu erkennen ist. Ist die Aufzeichnung unvollständig oder wurde der Einscher-Vorgang vom Messbeamten nicht korrekt bewertet, kann dies zur Einstellung des Verfahrens führen, da der Verstoß nicht vorwerfbar wäre.
2. Fehlerhafte Fahreridentifikation durch Schattenwurf der Brücke
Die Messung erfolgt von einer Brücke herab. Je nach Sonnenstand kann der Schatten der Brückenkonstruktion selbst oder von LKW-Aufbauten das Blitzerfoto des Fahrers beeinträchtigen. Die Qualität des Fotos zur Fahreridentifizierung ist oft eine bekannte Schwachstelle. Ist das Gesicht des Fahrers durch Schatten, die Sonnenblende oder andere Spiegelungen nicht eindeutig zu erkennen, ist eine Verurteilung fraglich. Ein Anwalt kann das Beweisfoto genau analysieren und auf mangelnde Erkennbarkeit plädieren.
3. Veraltete oder fehlerhaft eingemessene Referenzlinien
Die gesamte Berechnung von Geschwindigkeit und Abstand basiert auf der korrekten Vermessung der weißen Linien auf der Fahrbahn. Witterungseinflüsse, Abnutzung durch den Verkehr oder auch Erneuerungen der Fahrbahndecke können dazu führen, dass die in der Akte hinterlegten Messdaten nicht mehr mit der Realität übereinstimmen. Ein Sachverständigengutachten kann im Rahmen eines Einspruchs die korrekte Kalibrierung der Messstrecke überprüfen. Schon geringe Abweichungen können hier zu einer signifikanten Messungenauigkeit führen, die sich zugunsten des Betroffenen auswirkt.
Sollten Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid von diesem Blitzer auf der A70 erhalten haben, ist eine anwaltliche Erstberatung dringend zu empfehlen. Die Komplexität des VKS 3.0-Systems bietet oft mehr Verteidigungsansätze als einfache Radarmessungen.




