Abstandsblitzer auf der A96 bei Penzing in Fahrtrichtung Lindau
Auf der Bundesautobahn A96, in der Nähe der Gemeinde Penzing, ist in Fahrtrichtung Lindau eine feste Messanlage zur Überwachung des Sicherheitsabstandes installiert. Dieser spezielle Abstandsblitzer befindet sich bei Abschnitt 780, Kilometer 3.499 und ist eine der bekanntesten Messstellen in Bayern. Ziel dieser Anlage ist es, Drängler zu erfassen und schwere Auffahrunfälle zu verhindern, die auf diesem stark frequentierten Abschnitt der A96 leider keine Seltenheit sind.
Lokaler Kontext: Ein Unfallschwerpunkt im Pendlerverkehr
Der Streckenabschnitt der A96 zwischen München und Lindau ist besonders zu Stoßzeiten stark befahren. Der dichte Pendler- und Schwerlastverkehr erhöht das Risiko für gefährliche Situationen, insbesondere durch zu dichtes Auffahren. In der Vergangenheit kam es im Umfeld der Messstelle bei Penzing wiederholt zu schweren Verkehrsunfällen, oft mit LKW-Beteiligung. Die Installation des Abstandsblitzers ist eine direkte Reaktion der Behörden auf diese Unfallhäufung. Die Messanlage ist auf einer Brücke montiert, was eine verdeckte und lückenlose Überwachung des fließenden Verkehrs ermöglicht.
Die eingesetzte Messtechnik: Funktionsweise und Schwachstellen des VKS 3.0
An diesem Standort kommt das Messsystem VKS 3.0 (Verkehrskontrollsystem) zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um ein Brücken-Abstandsmessgerät, das den Verkehr videobasiert überwacht.
Funktionsweise des Blitzers
Das System funktioniert, indem es den Verkehr von einer Brücke aus aufzeichnet. Auf der Fahrbahn sind vor der Brücke feine, weiße Referenzlinien (Messlinien) in definierten Abständen aufgebracht. Zwei Kameras erfassen den Verkehr:
- Eine Übersichtskamera: Sie zeichnet eine längere Videosequenz des Verkehrsgeschehens auf, um die Verkehrssituation im Ganzen zu erfassen.
- Eine Detailkamera: Diese hochauflösende Kamera fertigt bei einem Verdacht das eigentliche "Blitzerfoto" des Fahrers an, um eine Identifizierung zu ermöglichen.
Ein Beamter wertet die Videoaufzeichnung später manuell aus. Er bestimmt die Geschwindigkeit des Fahrzeugs und misst den Abstand zum Vordermann, indem er die aufgezeichneten Bilder und die Referenzlinien auf der Fahrbahn nutzt. Liegt ein Verstoß gegen den erforderlichen Sicherheitsabstand vor, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet.
Experten-Einblick: Bekannte Fehlerquellen und Ansatzpunkte für einen Einspruch
Obwohl das VKS 3.0 als standardisiertes Messverfahren gilt, ist es in Fachkreisen für bestimmte Schwächen bekannt, die im Einzelfall einen erfolgreichen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid begründen können. Ein erfahrener Anwalt für Verkehrsrecht wird insbesondere folgende Punkte prüfen:
- Das „Einscherer“-Problem: Gerade im dichten Verkehr auf der A96 kann es vorkommen, dass ein anderes Fahrzeug knapp vor einem einschert. Dadurch verringert sich der Sicherheitsabstand abrupt und unverschuldet. Die Rechtsprechung fordert, dass dem Betroffenen eine ausreichende Zeit zur Wiederherstellung des korrekten Abstands gewährt wird. Hier stellt sich oft die Frage, ob die Videoaufzeichnung, die dem Bußgeldbescheid zugrunde liegt, wirklich den gesamten relevanten Verkehrsverlauf lückenlos dokumentiert. Fehlt beispielsweise eine zwingend vorgeschriebene, durchgehende Videoaufzeichnung von mindestens 300 Metern vor der eigentlichen Messung, ist der Beweis oft nicht verwertbar.
- Fehlerhafte Fahreridentifikation durch Schattenwurf: Da der Blitzer auf einer Brücke montiert ist, kann es je nach Sonnenstand zu einem starken Schattenwurf auf die Fahrbahn kommen. Fährt das Fahrzeug genau in diesem Moment durch den Schatten der Brücke, kann das Gesicht des Fahrers auf dem Beweisfoto stark abgedunkelt und somit eine zweifelsfreie Identifizierung unmöglich sein. Dies ist ein klassischer Ansatzpunkt, um die Fahrereigenschaft erfolgreich zu bestreiten.
- Zustand der Referenzlinien: Die weißen Markierungen auf der Fahrbahn sind die Grundlage der gesamten Messung. Durch Witterung, Abnutzung und Baumaßnahmen können diese Linien verblassen oder ihre Position leicht verändern. Eine veraltete oder fehlerhafte Einmessung der Referenzlinien, die nicht durch ein aktuelles Messprotokoll nachgewiesen werden kann, führt unweigerlich zu einer Ungenauigkeit der gesamten Abstandsmessung und kann den Bußgeldbescheid anfechtbar machen.
Bußgelder bei Abstandsverstößen (Stand 2026)
Die Höhe des Bußgeldes für einen zu geringen Sicherheitsabstand hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Der Abstand sollte in der Regel dem "halben Tacho" in Metern entsprechen.
Bei Geschwindigkeit unter 100 km/h:
| Abstand in m (vom halben Tachowert) | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5/10 | 75 € | 1 | - |
| Weniger als 4/10 | 100 € | 1 | - |
| Weniger als 3/10 | 160 € | 1 | - |
| Weniger als 2/10 | 240 € | 1 | - |
| Weniger als 1/10 | 320 € | 1 | - |
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h:
| Abstand in m (vom halben Tachowert) | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5/10 | 75 € | 1 | - |
| Weniger als 4/10 | 100 € | 1 | - |
| Weniger als 3/10 | 160 € | 2 | 1 Monat |
| Weniger als 2/10 | 240 € | 2 | 2 Monate |
| Weniger als 1/10 | 320 € | 2 | 3 Monate |
Einspruch prüfen lassen: Eine lohnende Investition
Wenn Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid von diesem Abstandsblitzer an der A96 bei Penzing erhalten haben, sollten Sie nicht vorschnell zahlen. Aufgrund der genannten Fehlerquellen des VKS 3.0 und der spezifischen Gegebenheiten vor Ort ist eine Überprüfung der Messung durch einen spezialisierten Anwalt für Verkehrsrecht dringend zu empfehlen. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und das gesamte Messprotokoll inklusive der Videoaufzeichnung auf formelle und technische Fehler prüfen. Oftmals lässt sich so ein teures Bußgeld, Punkte in Flensburg oder sogar ein Fahrverbot abwenden.




