Abstandsblitzer B17 bei Königsbrunn: Alle Infos zur Messung Richtung Landsberg am Lech
Auf der Bundesstraße 17 bei Königsbrunn, in Fahrtrichtung Landsberg am Lech, befindet sich eine der bekanntesten und aktivsten Abstandsmessanlagen in Bayern. Dieser fest installierte Abstandsblitzer ist für viele Pendler zwischen Augsburg und Landsberg eine tägliche Herausforderung und eine häufige Ursache für Bußgeldbescheide. Wir beleuchten den Standort, die eingesetzte Technik und geben wertvolle Expertentipps, wie man sich gegen einen Vorwurf wehren kann.
Der Standort im Detail: Wo genau wird der Sicherheitsabstand auf der B17 kontrolliert?
Der Blitzer befindet sich auf der autobahnähnlich ausgebauten B17 auf Höhe der Anschlussstelle Königsbrunn-Süd. Die Messanlage ist auf einer Brücke montiert und überwacht den Verkehr in südlicher Fahrtrichtung, also nach Landsberg am Lech. Die genaue Positionierung bei Abschnitt 700, Kilometer 3.488, ist strategisch gewählt, da hier der Verkehr oft dicht ist und die Einhaltung des korrekten Sicherheitsabstandes besonders wichtig für die Verkehrssicherheit ist.
Wie funktioniert die Abstandsmessung an diesem Blitzer? Das VKS 3.0 System
An diesem Standort kommt in der Regel das System VKS 3.0 (Video-Kontroll-System) der VETRO Verkehrselektronik GmbH zum Einsatz. Dieses System arbeitet nicht mit Radar oder Laser, sondern rein videobasiert. So funktioniert die Messung im Detail:
- Zwei-Kamera-Prinzip: Auf der Brücke sind zwei Kameras installiert. Eine Weitwinkelkamera filmt eine längere Strecke der Fahrbahn (oft mehrere hundert Meter), um das Verkehrsgeschehen und die Annäherung von Fahrzeugen lückenlos zu dokumentieren. Eine zweite Kamera mit Teleobjektiv (die eigentliche Fotokamera) ist für das hochauflösende Foto des Fahrers und des Kennzeichens zuständig.
- Referenzlinien: Auf der Fahrbahnoberfläche sind unauffällige weiße Querstreifen markiert. Diese Linien haben einen exakt vermessenen Abstand zueinander.
- Messvorgang: Die Software des Systems analysiert die Videoaufzeichnung. Sie misst die Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um von einer Referenzlinie zur nächsten zu fahren, und berechnet daraus die Geschwindigkeit. Gleichzeitig wird der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug in dem Moment erfasst, in dem das vordere Fahrzeug eine Linie überquert. Aus Geschwindigkeit und Abstand wird dann der Sicherheitsabstand (in Metern und Sekunden) ermittelt und mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Wert (halber Tachowert in Metern) verglichen.
- Beweisfoto: Nur wenn der gemessene Abstand den Toleranzwert unterschreitet, löst die zweite Kamera aus und erstellt das bekannte „Blitzerfoto“.
Bußgelder bei Abstandsverstößen 2026: Was droht Ihnen auf der B17?
Die Höhe des Bußgeldes, die Anzahl der Punkte in Flensburg und ein mögliches Fahrverbot hängen von Ihrer gefahrenen Geschwindigkeit und dem prozentualen Wert der Abstandsunterschreitung ab. Die Regel „halber Tacho“ ist hierbei die entscheidende Grundlage.
Sanktionen bei Geschwindigkeiten über 100 km/h (typisch für die B17)
| Abstand geringer als... | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Sanktionen bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h
| Verstoß | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| Abstand nicht eingehalten | 25 € | - |
| ... mit Gefährdung | 30 € | - |
| ... mit Sachbeschädigung | 35 € | - |
Experten-Einblick: Bekannte Schwachstellen und Ansatzpunkte für einen Einspruch
Ein Bußgeldbescheid von diesem Abstandsblitzer bei Königsbrunn muss nicht das letzte Wort sein. Messungen mit dem VKS-System bieten erfahrungsgemäß mehrere juristisch fundierte Angriffspunkte, die eine genaue Prüfung durch einen Fachanwalt für Verkehrsrecht rechtfertigen.
Das "Einscherer"-Problem – Unverschuldeter Abstandsverstoß im dichten Verkehr
Gerade im dichten Pendlerverkehr auf der B17 ist das sogenannte „Einscherer“-Szenario eine häufige und legitime Verteidigungsstrategie. Wenn ein anderes Fahrzeug kurz vor der Messbrücke knapp vor Ihnen auf Ihre Spur wechselt, verkürzt sich Ihr Sicherheitsabstand plötzlich und unverschuldet. Sie haben in diesem Moment keine realistische Chance, den korrekten Abstand sofort wiederherzustellen. Die Videoaufzeichnung des Messgeräts ist hier das entscheidende Beweismittel. Eine genaue Analyse durch einen Gutachter kann aufdecken, ob ein solcher Spurwechsel stattgefunden hat. Sollte dies der Fall sein, ist der Abstandsverstoß nicht vorwerfbar und ein Einspruch hat hohe Erfolgsaussichten.
Die lückenlose Videoaufzeichnung und die Qualität der Fahrbahnmarkierungen
Ein fundamentaler juristischer Angriffspunkt ist die Beweisführung der Behörde. Ein Abstandsverstoß gilt rechtlich nur dann als erwiesen, wenn er nicht nur kurzzeitig, sondern über eine längere Strecke vorlag. Aus diesem Grund ist eine lückenlose Videoaufzeichnung der vorausgehenden 200-300 Meter zwingend erforderlich. Fehlt diese Aufzeichnung in der Ermittlungsakte oder ist sie unvollständig, kann die Dauerhaftigkeit des Verstoßes oft nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Dies stellt eine erhebliche Schwächung der Beweislage dar. Ferner müssen die als Referenz dienenden weißen Markierungen auf der Fahrbahn exakt nach den Vorgaben des Herstellers eingemessen und in einem tadellosen Zustand sein. Verwitterte, schlecht sichtbare oder durch Baumaßnahmen veränderte Linien können die gesamte Messung ungültig machen, da die Berechnungsgrundlage fehlerhaft wäre.
Die Fahreridentifikation: Ein oft unterschätzter Fehlerpunkt an Brücken-Blitzern
Da der Blitzer auf der B17 von einer Brücke aus misst, ist die Fahreridentifikation ein besonders kritischer Punkt. Je nach Sonnenstand und Tageszeit kann der Schatten der Brücke genau auf die Frontscheibe des Fahrzeugs fallen. Das Ergebnis: Das Gesicht des Fahrers ist auf dem Beweisfoto nicht oder nur sehr schlecht zu erkennen. Ist eine zweifelsfreie Identifizierung nicht möglich, kann kein Bußgeldbescheid gegen den Halter ergehen. Ein Anwalt wird die Bildqualität genauestens prüfen und im Zweifel die Erkennbarkeit des Fahrers bestreiten.
Fazit: Anhörungsbogen erhalten? Fachanwaltliche Prüfung empfohlen
Die Abstandsmessung auf der B17 bei Königsbrunn ist komplex und fehleranfällig. Von der korrekten Funktion des Messgeräts über die lückenlose Dokumentation bis hin zur einwandfreien Fahreridentifikation gibt es zahlreiche potenzielle Fehlerquellen. Erhalten Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid von diesem Blitzer, sollten Sie nicht voreilig zahlen. Die Beauftragung eines auf Verkehrsrecht spezialisierten Anwalts zur Prüfung der Ermittlungsakte ist dringend anzuraten, um Ihre Chancen auf eine Einstellung des Verfahrens oder eine Reduzierung der Strafe zu wahren.




