Abstandsblitzer auf der A7 bei Dietmannsried in Fahrtrichtung Füssen
Auf der Bundesautobahn 7 (A7) im Allgäu, kurz nach der Anschlussstelle Dietmannsried in Fahrtrichtung Füssen/Kempten, befindet sich bei Abschnitt 1060, Kilometer 6.700 eine der bekanntesten Anlagen zur Abstandsmessung in Bayern. Dieser fest installierte Abstandsblitzer ist eine signifikante Einnahmequelle für die Behörden und sorgt täglich für zahlreiche Bußgeldbescheide. Doch die Messungen des hier eingesetzten Systems sind keineswegs unfehlbar und bieten für Betroffene oft fundierte Ansatzpunkte für einen erfolgreichen Einspruch.
Die genaue Position und die Gefahrenstelle des Blitzers
Der Blitzer ist auf einer Brücke montiert, die den Schorenwald überquert, und überwacht den Verkehr in südlicher Richtung. Dieser Autobahnabschnitt ist durch hohes Verkehrsaufkommen geprägt, insbesondere durch Pendler und Urlauber auf dem Weg in die Alpen. Die Strecke weist ein leichtes Gefälle auf, was unbemerkt zu einer Erhöhung der Geschwindigkeit und einer unbeabsichtigten Verkürzung des Sicherheitsabstandes führen kann. Immer wieder kommt es im Umfeld dieser Messstelle zu Auffahrunfällen, die die Notwendigkeit einer Verkehrsüberwachung unterstreichen, aber auch die hohe Verkehrsdichte belegen, die für die Messung selbst problematisch sein kann.
Lokaler Kontext: Hohe Verkehrsdichte und Unfallgeschehen
Polizeimeldungen aus der Region Kempten berichten regelmäßig von schweren Verkehrsunfällen auf diesem A7-Abschnitt bei Dietmannsried. Häufig sind plötzliche Spurwechsel und dichtes Auffahren im Kolonnenverkehr die Ursache. Genau diese alltäglichen Verkehrssituationen können jedoch zu fehlerhaften Messungen durch den Abstandsblitzer A7 Dietmannsried führen und sind ein zentraler Punkt bei der Prüfung eines Bußgeldbescheids.
Technik des Abstandsblitzers: Das Messgerät VKS 4.5
An diesem Standort kommt in der Regel das Video-Kontroll-System VKS 4.5 der Firma VIDIT Systems GmbH zum Einsatz. Dieses moderne Messgerät erfasst den Verkehr von einer Brücke aus mittels zweier Videokameras. Die erste Kamera zeichnet eine längere Videosequenz des Verkehrsflusses auf (oft mehrere hundert Meter), während die zweite Kamera hochauflösende Fotos von den Fahrern der verdächtigen Fahrzeuge anfertigt.
Funktionsweise und typische Schwachstellen der Abstandsmessung
Die Software des VKS 4.5 analysiert die Videoaufzeichnung und berechnet anhand von festen Referenzlinien (weiße Querbalken) auf der Fahrbahn die Geschwindigkeit der Fahrzeuge und den Abstand zwischen ihnen. Aus diesen Daten wird ermittelt, ob der vorgeschriebene Sicherheitsabstand (halber Tachowert in Metern) unterschritten wurde. Obwohl das System als präzise gilt, existieren bekannte technische und juristische Schwachstellen, die eine Messung anfechtbar machen können.
- Videoaufzeichnung: Für eine rechtssichere Verurteilung muss die Messung nachvollziehbar sein. Ein entscheidender Punkt ist hierbei die lückenlose Dokumentation der Anfahrt des Fahrzeugs über eine längere Strecke. Fehlt eine durchgängige Videoaufzeichnung von mindestens 300 Metern vor dem eigentlichen Messpunkt, kann oft nicht ausgeschlossen werden, dass der Abstand durch unvorhersehbare Ereignisse, wie das plötzliche Abbremsen des Vordermanns, rechtmäßig verkürzt wurde.
- Fahreridentifikation: Ein zentraler Angriffspunkt ist die Qualität des Fahrerfotos. Die Messanlage befindet sich auf einer Brücke, die je nach Sonnenstand einen deutlichen Schatten auf die Fahrbahn wirft. Experten-Tipp: Gerade dieser Schattenwurf der Schorenwaldbrücke kann dazu führen, dass das Gesicht des Fahrers auf dem Blitzerfoto nicht eindeutig zu identifizieren ist. Ist die Person am Steuer nicht zweifelsfrei erkennbar, ist eine der Hauptvoraussetzungen für einen Bußgeldbescheid nicht erfüllt.
- Das "Einscherer-Problem": Die hohe Verkehrsdichte auf der A7 bei Dietmannsried führt häufig zu plötzlichen Spurwechseln. Schert ein anderes Fahrzeug kurz vor dem Messbereich in die Lücke zwischen zwei Autos ein, verkürzt sich der Sicherheitsabstand für den nachfolgenden Fahrer unverschuldet. Juristisch fundierte Einsprüche argumentieren oft, dass dem Fahrer keine ausreichende Reaktionszeit blieb, den Abstand wieder zu vergrößern. Die Videoaufzeichnung muss dies belegen können.
- Referenzlinien und Eichung: Die weißen Markierungen auf der Fahrbahn dienen als Berechnungsgrundlage. Mit der Zeit können diese durch Abnutzung oder fehlerhafte Erneuerung bei Bauarbeiten ungenau werden. Ein Sachverständigengutachten kann im Einspruchsverfahren prüfen, ob die Messlinien zum Tatzeitpunkt noch den exakten, im Eichprotokoll hinterlegten Maßen entsprachen. Schon geringe Abweichungen können die gesamte Messung ungültig machen.
Bußgelder bei Abstandsverstößen (Stand: Bußgeldkatalog 2026)
Die Sanktionen für einen zu geringen Sicherheitsabstand sind streng und hängen von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Der Abstandsblitzer A7 Dietmannsried befindet sich in einem Bereich, in dem oft über 100 km/h gefahren wird.
Geschwindigkeiten über 100 km/h
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 180 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 400 € | 2 | 3 Monate |
Geschwindigkeiten über 80 km/h (aber unter 100 km/h)
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 1 | - |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 1 | - |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 1 | - |
Tipp: Einspruch gegen den Bußgeldbescheid prüfen lassen
Ein Bußgeldbescheid von diesem Blitzer muss nicht das letzte Wort sein. Aufgrund der beschriebenen, bekannten Schwachstellen der VKS-Messanlagen lohnt sich eine genaue Prüfung durch einen spezialisierten Anwalt für Verkehrsrecht. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und das Messprotokoll, die Eichscheine und vor allem die komplette Videosequenz des Verstoßes anfordern und analysieren. Die Erfolgsaussichten für einen Einspruch sind bei Abstandsverstößen überdurchschnittlich hoch, insbesondere wenn die Verkehrssituation komplex war oder die Beweismittel Lücken aufweisen.




