Abstandsblitzer auf der A9 bei Allershausen, Fahrtrichtung München (km 7.988)
Auf der Bundesautobahn 9 in Fahrtrichtung München, kurz vor der Anschlussstelle Allershausen, befindet sich bei Kilometer 7.988 im Abschnitt 1040 eine fest installierte Messanlage zur Überwachung des Sicherheitsabstands. Dieser Blitzer ist eine der bekanntesten Anlagen zur Abstandsmessung in Bayern und sorgt bei vielen Pendlern und Reisenden für Bußgeldbescheide. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der spezifischen Funktionsweise der Anlage gibt es hier jedoch einige Besonderheiten zu beachten.
Standort und lokaler Kontext des Blitzers
Der Abstandsblitzer A9 Allershausen ist strategisch in einem Bereich mit sehr hohem Verkehrsaufkommen platziert. Die Messung erfolgt in der Regel von einer Autobahnbrücke kurz vor der Ausfahrt Allershausen. Dieser Abschnitt ist ein Nadelöhr für den Pendlerverkehr in und aus dem Großraum München, was regelmäßig zu dichtem Verkehr und stockenden Kolonnen führt. Genau diese Verkehrslage macht den Standort unfallträchtig, weshalb die Behörden hier den Sicherheitsabstand streng kontrollieren. In der Vergangenheit kam es im Bereich zwischen Pfaffenhofen und Allershausen immer wieder zu schweren Auffahrunfällen, die die Notwendigkeit der Überwachung unterstreichen. Gleichzeitig erhöht der dichte Verkehr aber auch die Wahrscheinlichkeit für unverschuldete Abstandsunterschreitungen.
Die eingesetzte Messtechnik: Das Videokontrollsystem (VKS)
An diesem Standort kommt in der Regel das Videokontrollsystem VKS 3.0 oder eine neuere Version wie das VKS 4.5 zum Einsatz. Es handelt sich hierbei nicht um einen klassischen Radar-Blitzer, sondern um eine videobasierte Abstandsmessung. Das System funktioniert wie folgt:
- Eine Übersichtskamera auf einer Brücke filmt den fließenden Verkehr über eine längere, vermessene Strecke.
- Auf der Fahrbahn sind feine, kaum sichtbare weiße Referenzlinien (Passpunkte) markiert. Anhand dieser Markierungen kann eine spezielle Software die Geschwindigkeit und den Abstand zwischen den Fahrzeugen exakt berechnen.
- Eine zweite, fernsteuerbare Kamera, oft kaum erkennbar in der Mittelleitplanke hinter einer Tarnblende positioniert, fertigt bei einem festgestellten Verstoß ein hochauflösendes Foto von Fahrer und Kennzeichen an.
Die gesamte Messung basiert auf einer photogrammetrischen Auswertung der Videoaufzeichnung. Das bedeutet, dass aus den Videobildern und den bekannten Abständen der Fahrbahnmarkierungen die genauen Fahrzeugpositionen und somit der Sicherheitsabstand ermittelt werden.
Bußgelder bei unzureichendem Sicherheitsabstand (Bußgeldkatalog 2026)
Ein zu geringer Sicherheitsabstand auf der Autobahn gilt als eine der häufigsten Unfallursachen und wird entsprechend streng geahndet. Die Höhe des Bußgeldes, die Anzahl der Punkte in Flensburg und ein mögliches Fahrverbot hängen von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Die Faustregel für den Mindestabstand lautet: halber Tachowert in Metern.
Sanktionen bei mehr als 80 km/h (aber unter 100 km/h)
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 1 | - |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 1 | - |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 1 | - |
Sanktionen bei mehr als 100 km/h
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Juristische Einspruchs-Tipps und bekannte Schwachstellen des Blitzers
Obwohl es sich beim VKS-System um ein standardisiertes Messverfahren handelt, ist die Anlage nicht fehlerfrei. Ein erfahrener Anwalt für Verkehrsrecht wird einen Bußgeldbescheid von diesem Blitzer daher auf mehrere kritische Punkte hin überprüfen. Die Erfolgsaussichten eines Einspruchs sind oft höher als bei reinen Geschwindigkeitsmessungen.
Experten-Einblick: Mögliche Fehlerquellen bei der Messung
Ein zentraler Punkt bei der Verteidigung ist die Analyse der Messung selbst. Juristische Experten weisen immer wieder darauf hin, dass für eine lückenlose Beweisführung eine ausreichend lange Videoaufzeichnung der Fahrsituation vor dem eigentlichen Messpunkt erforderlich ist. Die Rechtsprechung fordert hier oft eine Beobachtungsstrecke von bis zu 300 Metern, um sicherzustellen, dass der Abstandsverstoß nicht nur eine kurzfristige Momentaufnahme war. Fehlt diese lückenlose Aufzeichnung in der Akte, kann dies ein starkes Argument für einen Einspruch sein, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Verstoß unverschuldet zustande kam.
Ein weiteres, in der Praxis sehr relevantes Problem an dieser stark frequentierten Stelle ist das sogenannte „Einscherer-Problem“. Im dichten Pendlerverkehr kommt es häufig vor, dass ein anderes Fahrzeug plötzlich und knapp vor dem eigenen Pkw die Spur wechselt. Dadurch verkürzt sich der eigene Sicherheitsabstand abrupt und unverschuldet. Die Videoaufzeichnung muss zweifelsfrei belegen, dass der Verstoß nicht durch ein solches Manöver ausgelöst wurde. Ist der einscherende Wagen auf dem Video zu sehen, kann dies zur Einstellung des Verfahrens führen.
Schließlich ist auch die Fahreridentifikation ein möglicher Angriffspunkt. Die Fotokamera ist oft in der Mittelleitplanke platziert. Je nach Sonnenstand und Tageszeit kann es an der Messstelle durch die darüberliegende Brücke zu ungünstigem Schattenwurf kommen, der das Gesicht des Fahrers auf dem Beweisfoto teilweise oder ganz verdeckt. Ist der Fahrer nicht eindeutig identifizierbar, ist der Bußgeldbescheid angreifbar. Ein Anwalt wird daher stets das vollständige Beweisfoto in Originalqualität anfordern und prüfen.




