Abstandsblitzer auf der A5 bei Schutterwald, km 701.9 in Fahrtrichtung Basel
Auf der Bundesautobahn 5 (A5), einer der meistbefahrenen Nord-Süd-Achsen Deutschlands, überwacht kurz vor der Anschlussstelle Offenburg bei Schutterwald eine fest installierte Messanlage den Sicherheitsabstand. Bei Kilometerpunkt 701.9 in Fahrtrichtung Basel (Süden) wird hier gezielt gegen Drängler vorgegangen, die den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand nicht einhalten. Dieser Abschnitt ist bekannt für hohes Verkehrsaufkommen und war bereits Schauplatz von Unfällen, bei denen zu geringer Abstand eine Rolle spielte. Die permanente Überwachung an diesem Punkt soll die Verkehrssicherheit erhöhen.
Die genaue Position des Abstandsblitzers A5 bei Schutterwald
Der Blitzer ist auf einer Brücke montiert, die die A5 überspannt. Von hier aus erfasst das System den Verkehr in Richtung Süden (Basel/Freiburg). Die Messung findet statt, bevor die Autobahn die Kinzig überquert und bevor die Ausfahrt Offenburg (55) erreicht wird. Dieser Bereich der A5 ist dreispurig ausgebaut und insbesondere im morgendlichen und abendlichen Pendlerverkehr stark frequentiert, was das Risiko von Auffahrunfällen durch zu dichtes Auffahren erhöht.
Welches Messgerät kommt hier zum Einsatz? Das VKS-System
An diesem Standort wird ein sogenanntes Videokontrollsystem (VKS) eingesetzt, vermutlich vom Typ VKS 4.5 der Firma Vidit Systems, dem Nachfolgemodell des ebenfalls weit verbreiteten VKS 3.0/3.2. Im Gegensatz zu klassischen Radarkontrollen, die nur ein einzelnes Foto schießen, zeichnet dieses System eine längere Videosequenz des Verkehrsgeschehens auf. Die Funktionsweise ist dabei hochkomplex:
- Videoaufzeichnung: Eine oder mehrere Videokameras auf der Brücke filmen den Verkehr über eine vordefinierte, eingemessene Strecke.
- Referenzlinien: Auf der Fahrbahn sind weiße, kaum sichtbare Messlinien (sog. Passpunkte) markiert. Der Abstand zwischen diesen Linien ist exakt vermessen und im System hinterlegt.
- Weg-Zeit-Berechnung: Eine spezielle Software analysiert die Videoaufzeichnung. Sie misst die Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um von einer Referenzlinie zur nächsten zu gelangen. Daraus berechnet das System die exakte Geschwindigkeit jedes Fahrzeugs.
- Abstandsmessung: Gleichzeitig ermittelt die Software den Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Fahrzeugen. Durch die Kombination aus Geschwindigkeit und Abstand kann der Verstoß (z.B. "weniger als 3/10 des halben Tachowertes") präzise bestimmt werden.
- Fahreridentifikation: Wird ein Verstoß festgestellt, löst eine zusätzliche, hochauflösende Kamera aus, um den Fahrer und das Kennzeichen zu dokumentieren.
Rechtliche Fallstricke und bekannte Schwachstellen des Abstandsblitzers
Obwohl die VKS-Systeme als sehr genau gelten, sind sie nicht fehlerfrei. Die komplexe, teils manuelle Auswertung der Videodaten durch Messbeamte birgt Fehlerquellen, die Ansatzpunkte für einen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid bieten können. Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht wird insbesondere die folgenden Punkte prüfen:
Experten-Einblick: Mögliche Fehlerquellen bei der Messung
- Das "Einscherer"-Problem: Gerade im dichten Verkehr auf der A5 bei Schutterwald kommt es häufig vor, dass ein Fahrzeug von der mittleren auf die linke Spur wechselt und sich in den eigenen Sicherheitsabstand setzt. Der Abstand verkürzt sich dadurch plötzlich und unverschuldet. Die Gerichte fordern, dass ein Abstandsverstoß nur dann vorwerfbar ist, wenn er über eine nennenswerte Strecke (ca. 300 Meter oder mehrere Sekunden) andauert. Ein erfahrener Gutachter kann anhand der Videosequenz analysieren, ob dem Fahrer überhaupt genügend Zeit blieb, den Sicherheitsabstand wieder zu vergrößern. Fehlt eine ausreichend lange Videoaufzeichnung, die den gesamten Vorlauf des angeblichen Verstoßes dokumentiert, ist die Messung oft nicht verwertbar.
- Fehlerhafte Fahreridentifikation durch Brückenschatten: Die Montage der Kameras auf einer Brücke kann je nach Sonnenstand zu schwierigen Lichtverhältnissen führen. Insbesondere der harte Schattenwurf der Brücke selbst kann das Gesicht des Fahrers auf dem Beweisfoto unkenntlich machen. Ist die Person am Steuer nicht zweifelsfrei zu identifizieren, kann dies ein starkes Argument für die Einstellung des Verfahrens sein.
- Veraltete oder fehlerhafte Referenzlinien: Die weißen Markierungen auf der Fahrbahn sind die Grundlage der gesamten Messung. Durch Witterungseinflüsse und Abnutzung können diese verblassen oder durch Bauarbeiten ihre Position leicht verändern. Auch eine fehlerhafte oder nicht ordnungsgemäß protokollierte Neueinmessung der Messstelle, insbesondere beim Wechsel von einem älteren System wie VKS 3.0 auf das neuere VKS 4.5, kann die gesamte Messreihe ungültig machen. Die Verteidigung kann die Vorlage der aktuellen Eichprotokolle und der Dokumentation zur Einrichtung der Messstelle verlangen.
Aktueller Bußgeldkatalog 2026 für Abstandsverstöße
Die Strafen für einen zu geringen Sicherheitsabstand sind empfindlich und richten sich nach der gefahrenen Geschwindigkeit. Der Grundsatz lautet: Der Abstand in Metern sollte mindestens dem "halben Tacho" entsprechen (z.B. 50 Meter bei 100 km/h).
Bußgelder bei Geschwindigkeit über 100 km/h
| Abstand geringer als... | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Bußgelder bei Geschwindigkeit bis 100 km/h
| Abstand geringer als... | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 1 | - |
| 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 1 | - |
| 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 1 | - |
Tipp: Einspruch immer durch Experten prüfen lassen
Ein Bußgeldbescheid von diesem Blitzer sollte nicht vorschnell akzeptiert werden. Aufgrund der genannten Fehlerquellen bei VKS-Systemen ist eine Überprüfung durch einen spezialisierten Anwalt für Verkehrsrecht dringend anzuraten. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und das gesamte Messprotokoll samt Videosequenz auf Plausibilität und formale Korrektheit prüfen. Die Erfolgschancen für einen Einspruch sind bei Abstandsmessungen oft überdurchschnittlich hoch.




