Abstandsblitzer auf der A27 bei Langwedel (Etelsen), km 46.436, Richtung Cuxhaven
Auf der Bundesautobahn 27 im Abschnitt Langwedel, Ortsteil Etelsen, ist bei Kilometer 46,436 in Fahrtrichtung Cuxhaven / Bremen eine stationäre Messanlage zur Überwachung des Sicherheitsabstandes installiert. Dieser Blitzer ist eine der bekanntesten Anlagen zur Abstandsmessung in der Region und sorgt regelmäßig für Bußgeldbescheide des zuständigen Landkreises Verden. Der Standort wurde bewusst gewählt, da es in diesem Bereich der A27 häufig zu dichtem Verkehrsaufkommen, insbesondere im Pendlerverkehr, kommt und unzureichender Sicherheitsabstand hier als eine der Hauptunfallursachen gilt.
Standort und Lokale Besonderheiten des Abstandsblitzers
Die Messanlage befindet sich auf der vielbefahrenen A27, die eine wichtige Nord-Süd-Verbindung darstellt. Der Blitzer ist kurz vor der Anschlussstelle Langwedel positioniert. Eine entscheidende lokale Gegebenheit ist die Brücke der Gemeindestraße (Langwedel - Langwedelermoor), von der aus die Messung durchgeführt wird. Diese Brücke wurde in den Jahren 2024 und 2025 komplett erneuert. Solche massiven Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe einer Messstelle sind für die Verteidigung gegen einen Bußgeldbescheid von großem Interesse.
Durch den Neubau der Brücke könnten sich Licht- und Schattenverhältnisse verändert haben. Besonders der Schattenwurf der neuen, modernen Brückenkonstruktion kann zu bestimmten Tageszeiten die Fahreridentifikation auf dem Blitzerfoto erschweren oder gar unmöglich machen – ein entscheidender Ansatzpunkt für einen Einspruch.
Wie funktioniert die Messung mit dem VKS 4.5 System an dieser Stelle?
An diesem Standort kommt das Video-Kontroll-System VKS 4.5 der Firma VIDIT Systems GmbH zum Einsatz. Es handelt sich um ein videobasiertes Messverfahren, das Abstand und Geschwindigkeit nicht live "blitzt", sondern durch eine nachträgliche Auswertung einer Videosequenz ermittelt. Mehrere Kameras auf der Brücke filmen den Verkehr über eine zuvor exakt vermessene Strecke. Auf der Fahrbahn sind feine, weiße Referenzlinien (Messlinien) markiert, die als Grundlage für die Berechnung dienen.
Ein geschulter Beamter der Bußgeldstelle wertet das Videomaterial aus. Er markiert die Vorder- und Hinterachsen der Fahrzeuge an mehreren Punkten der Messstrecke manuell am Computer. Die Software errechnet dann aus der durchfahrenen Strecke und der dafür benötigten Zeit die Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Nur bei einem festgestellten Verstoß wird ein hochauflösendes Foto zur Fahreridentifikation ausgelöst.
Bußgeldkatalog 2026: Strafen für zu geringen Sicherheitsabstand
Ein zu geringer Sicherheitsabstand auf der Autobahn kann teuer werden. Die Strafen richten sich nach der gefahrenen Geschwindigkeit. Der Regelsatz lautet: Der Abstand in Metern sollte mindestens dem halben Tachowert entsprechen (z.B. 50 Meter bei 100 km/h).
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h:
| Abstand in m vom halben Tachowert | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 | 160 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 | 240 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 | 320 € | 2 | 3 Monate |
Bei Geschwindigkeit bis 100 km/h:
| Abstand in m vom halben Tachowert | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 | 160 € | 1 | - |
| weniger als 2/10 | 240 € | 1 | - |
| weniger als 1/10 | 320 € | 1 | - |
Experten-Tipps: Ansatzpunkte für einen erfolgreichen Einspruch
Ein Bußgeldbescheid von diesem Blitzer ist kein unabwendbares Schicksal. Gerade die Komplexität des VKS-Systems bietet versierten Anwälten für Verkehrsrecht diverse Ansatzpunkte. Eine genaue Prüfung der Messung durch einen Sachverständigen ist oft lohnenswert.
1. Das "Einscherer-Problem" im dichten Verkehr
Gerade im Berufsverkehr Richtung Bremen ist die Verkehrsdichte auf der A27 hoch. Eine der häufigsten, aber oft unbemerkten Fehlerquellen ist das plötzliche Einscheren eines anderen Fahrzeugs. Wenn ein Fahrzeug kurz vor der Messstrecke vor Ihnen die Spur wechselt, verkürzt sich Ihr Sicherheitsabstand schlagartig und unverschuldet. Die Messbeamten sollen solche Situationen zwar erkennen, doch in der Praxis wird dies oft übersehen. Ein Anwalt kann über die Akteneinsicht das komplette Messvideo anfordern. Zeigt dieses Video einen solchen "Einscherer", stehen die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens sehr gut, da Ihnen kein vorwerfbares Verhalten nachgewiesen werden kann.
2. Fehlerhafte Fahreridentifikation durch Brückenschatten
Wie bereits erwähnt, ist die Messung unterhalb der neu errichteten Brücke angesiedelt. Je nach Sonnenstand kann der harte Schatten der Brückenkonstruktion auf das Fahrzeug fallen, genau in dem Moment, in dem das Beweisfoto zur Identifizierung des Fahrers erstellt wird. Ist das Gesicht des Fahrers durch diesen Schatten nicht zweifelsfrei zu erkennen, ist eine Verurteilung rechtlich nicht haltbar. Ein Gutachter kann die Lichtverhältnisse zum Tatzeitpunkt rekonstruieren und so die Unverwertbarkeit des Fotos belegen.
3. Veraltete oder ungenaue Referenzlinien nach Brückenneubau
Das gesamte Messverfahren basiert auf der exakten Vermessung der weißen Referenzlinien auf der Fahrbahn. Nach dem kompletten Neubau der Brücke zwischen 2024 und 2025 stellt sich die kritische Expertenfrage: Wurde die gesamte Messstelle danach neu kalibriert und geeicht? Gab es während der Bauphase eventuell provisorische Markierungen? Sind die alten Markierungen noch schwach sichtbar und könnten zu Fehlern bei der Auswertung führen? Jegliche Abweichung oder Abnutzung dieser Linien führt zu einer ungenauen Berechnung von Abstand und Geschwindigkeit. Die Verteidigung kann das Eichprotokoll und die Dokumentation zur Einrichtung der Messstelle anfordern. Fehlen hier aktuelle Daten, die den Zustand nach dem Brückenneubau bestätigen, ist die gesamte Messreihe angreifbar.
Fazit: Wenn Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid aufgrund einer Messung an diesem Blitzer auf der A27 erhalten haben, sollten Sie die 14-tägige Einspruchsfrist nicht verstreichen lassen. Kontaktieren Sie frühzeitig einen Fachanwalt für Verkehrsrecht, um die Erfolgsaussichten eines Einspruchs basierend auf den genannten Schwachstellen prüfen zu lassen.




