Abstandsblitzer auf der A 602 bei Kenn, Kilometer 9.2
Auf der Autobahn A 602 in Fahrtrichtung des Autobahndreiecks (AD) Moseltal, kurz vor Trier, befindet sich bei Kilometer 9.2 in der Gemarkung Kenn eine fest installierte Messanlage zur Überwachung des Sicherheitsabstandes. Dieser Blitzer ist eine bekannte und sehr aktive Anlage in Rheinland-Pfalz und erfasst täglich eine hohe Zahl von vermeintlichen Abstandsverstößen. Gerade im dichten Pendler- und Berufsverkehr in Richtung Trier und Luxemburg ist die Einhaltung des korrekten Sicherheitsabstands eine Herausforderung.
Der genaue Standort des Abstandsblitzers A 602
Die Messanlage ist von einer Brücke aus auf die Fahrbahn gerichtet. Dieser Standort wurde strategisch gewählt, da die A 602 an dieser Stelle oft zu Kolonnenverkehr neigt, in denen der Sicherheitsabstand häufig unterschritten wird. Die Messung erfolgt über eine längere Distanz, um zufällige, kurzzeitige Abstandsunterschreitungen auszuschließen und nur nachhaltige Verstöße zu ahnden.
Lokaler Kontext: Verkehrssituation und Unfallgeschehen
Die A 602 ist ein wichtiger Zubringer zum AD Moseltal und damit zur A 1. Insbesondere im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr kommt es hier regelmäßig zu hoher Verkehrsdichte und zähfließendem Verkehr. Die Behörden begründen den Einsatz des Abstandsblitzers mit der hohen Zahl von Auffahrunfällen in diesem Bereich, die oft auf zu geringen Sicherheitsabstand zurückzuführen sind. Die Messstelle soll präventiv wirken und das Unfallrisiko senken.
So funktioniert die Messung mit dem VKS 3.0 System an dieser Stelle
An diesem Standort kommt in der Regel das Video-Kontroll-System VKS 3.0 der Firma Vidit Systems GmbH zum Einsatz. Dieses System ist ein sogenanntes Brücken-Abstandsmessverfahren und arbeitet ohne den klassischen Blitz, den man von Geschwindigkeitskontrollen kennt. So funktioniert die Messung im Detail:
- Videoüberwachung: Eine hochauflösende Videokamera auf der Brücke filmt den fließenden Verkehr über eine definierte und amtlich vermessene Strecke.
- Referenzlinien: Auf der Fahrbahn sind in der Regel kaum sichtbare, weiße Referenzlinien oder Passpunkte markiert. Anhand dieser Linien kann die Software später die genaue Position und Geschwindigkeit der Fahrzeuge berechnen.
- Weg-Zeit-Messung: Das System berechnet für jedes Fahrzeug die Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann mittels einer präzisen Weg-Zeit-Analyse. Ein Verstoß wird nur dann dokumentiert, wenn der Sicherheitsabstand über eine längere Strecke (mehrere hundert Meter) signifikant unterschritten wird.
- Fahrer-Identifikation: Bei einem festgestellten Verstoß wird eine zweite, separate Kamera mit Teleobjektiv aktiviert, die hochauflösende Fotos vom Fahrer und dem Kennzeichen anfertigt.
Juristische Feinheiten und mögliche Fehlerquellen des Systems
Obwohl das VKS 3.0 als standardisiertes Messverfahren gilt, ist es nicht fehlerfrei. Ein erfahrener Anwalt für Verkehrsrecht wird einen Bußgeldbescheid, der auf einer Messung dieses Blitzers basiert, genau prüfen. Besonders relevant sind hierbei die Details der Messung, die aus der Ermittlungsakte hervorgehen.
Ein besonders kritischer Punkt ist die Verkehrssituation zum Tatzeitpunkt. Im dichten Pendlerverkehr auf der A 602 Richtung AD Moseltal ist das sogenannte „Einscherer-Problem“ allgegenwärtig. Schert ein anderes Fahrzeug knapp vor einem in die Lücke ein, verkürzt sich der Sicherheitsabstand abrupt und unverschuldet. Zwar soll die Messung über eine längere Strecke erfolgen, doch nicht immer wird dies in der Auswertung sauber berücksichtigt. Ein Anwalt kann anhand des Tatvideos genau prüfen, ob ein solcher Vorgang den vermeintlichen Verstoß ausgelöst hat, was ein starkes Argument für einen erfolgreichen Einspruch wäre.
Des Weiteren spielt die Qualität des Beweisfotos eine entscheidende Rolle. Gerade bei Messungen von einer Brücke kann es durch den Stand der Sonne zu starkem Schattenwurf kommen, der das Gesicht des Fahrers ganz oder teilweise verdeckt. Ist der Fahrer auf dem Foto nicht zweifelsfrei zu identifizieren, ist eine fehlerhafte Fahreridentifikation ein valider und oft erfolgreicher Einspruchsgrund.
Ein weiterer, tiefergehender technischer Ansatzpunkt ist die Dokumentation der Messung. Für eine gerichtlich verwertbare Abstandsmessung ist eine lückenlose Videoaufzeichnung des gesamten relevanten Verkehrsgeschehens zwingend erforderlich – oft wird eine Strecke von bis zu 300 Metern vor der eigentlichen Messlinie gefordert. Fehlt diese Aufzeichnung oder ist sie unvollständig, kann der gesamte Messvorgang als nicht nachvollziehbar und damit als unverwertbar eingestuft werden. Die Überprüfung des vollständigen Messvideos durch einen Sachverständigen oder Anwalt ist hier unerlässlich.
Aktueller Bußgeldkatalog 2026 für Abstandsverstöße
Die Höhe der Strafe für einen Abstandsverstoß hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Der Sicherheitsabstand sollte dem „halben Tachowert“ in Metern entsprechen (z.B. 50 Meter bei 100 km/h).
Bei Geschwindigkeit über 80 km/h
| Abstand geringer als... | Bußgeld (€) | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h
| Abstand geringer als... | Bußgeld (€) | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| 4/10 des halben Tachowertes | 180 € | 1 | - |
| 3/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 1 Monat |
| 2/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 2 Monate |
| 1/10 des halben Tachowertes | 400 € | 2 | 3 Monate |
Tipp: Einspruch gegen den Bußgeldbescheid prüfen lassen
Ein Bußgeldbescheid von diesem Blitzer sollte nicht vorschnell akzeptiert werden. Die Komplexität der Videomessung bietet diverse Ansatzpunkte für eine Verteidigung. Es empfiehlt sich, über einen spezialisierten Anwalt für Verkehrsrecht Akteneinsicht zu beantragen. Nur so können das komplette Messvideo, das Eichprotokoll des Gerätes und die Schulungsnachweise der Messbeamten eingesehen werden. Oft finden sich hier formale oder technische Fehler, die zur Einstellung des Verfahrens oder zumindest zur Abwendung eines Fahrverbots führen können.




