Abstandsblitzer auf der A28 bei Bad Zwischenahn, km 71.500 Richtung Bremen
Auf der Bundesautobahn 28 bei Bad Zwischenahn ist besondere Vorsicht geboten. Im Bereich des Kilometers 71.500 in Fahrtrichtung Bremen kommt es immer wieder zu Abstandsmessungen. Dieser Abschnitt der A28 ist bekannt für hohes Verkehrsaufkommen, insbesondere im morgendlichen und abendlichen Pendlerverkehr, was das Risiko für einen zu geringen Sicherheitsabstand deutlich erhöht. Viele Autofahrer sind von einem Bußgeldbescheid überrascht, der von der hier eingesetzten Video-Messtechnik stammt.
Lokaler Kontext: Ein Unfallschwerpunkt im Fokus der Behörden
Die A28 im Ammerland ist eine zentrale Verkehrsachse, die das Emsland mit dem Bremer Raum verbindet. Gerade der Abschnitt um Bad Zwischenahn ist durch regelmäßige Staus und eine hohe Verkehrsdichte geprägt. In der Vergangenheit kam es hier wiederholt zu schweren Auffahrunfällen, die auf zu geringen Sicherheitsabstand zurückzuführen waren. Die Behörden begründen die Notwendigkeit der Abstandskontrollen an diesem Blitzer mit der hohen Unfallgefahr. Insbesondere die langanhaltenden Brückenbauarbeiten an der Anschlussstelle Zwischenahner Meer, die bis ins Jahr 2026 andauern, führen zu veränderten Verkehrsführungen, Engpässen und plötzlichen Bremsmanövern, die eine konstante Einhaltung des Sicherheitsabstands erschweren.
So funktioniert die Abstandsmessung an diesem Blitzer
Das Messgerät: VKS 3.0 oder VKS 4.5
An diesem Standort kommt in der Regel ein Brücken-Abstandsmessgerät vom Typ VIDIT VKS 3.0 oder das Nachfolgemodell VKS 4.5 zum Einsatz. Im Gegensatz zu klassischen „Blitzern“, die nur ein einzelnes Foto schießen, handelt es sich hierbei um ein komplexes Videokontrollsystem. Kameras, die auf einer Autobahnbrücke montiert sind, zeichnen den Verkehr über eine längere Distanz (oft mehrere hundert Meter) auf. Eine zweite Kamera erfasst dabei gezielt den Fahrer und das Kennzeichen des Fahrzeugs, das den Verstoß begeht. Es wird also nicht geblitzt, sondern eine Videosequenz als Beweismittel aufgezeichnet. Die Auswertung erfolgt nachträglich durch Beamte, die mithilfe von Referenzlinien auf der Fahrbahn und einer speziellen Software den exakten Abstand und die Geschwindigkeit ermitteln.
Bußgeldkatalog 2026: Diese Strafen drohen bei Abstandsverstößen
Ein unzureichender Sicherheitsabstand auf der Autobahn ist kein Kavaliersdelikt. Der Bußgeldkatalog sieht empfindliche Strafen vor, die von hohen Geldbußen über Punkte in Flensburg bis hin zu Fahrverboten reichen. Die Höhe der Strafe bemisst sich nach der gefahrenen Geschwindigkeit und dem Abstand in Relation zum „halben Tachowert“.
Strafen bei Geschwindigkeit über 100 km/h
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Strafen bei Geschwindigkeit bis 100 km/h
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Abstand nicht eingehalten | 25 € | 0 | - |
| ...mit Gefährdung | 30 € | 0 | - |
| ...mit Sachbeschädigung | 35 € | 0 | - |
Einspruch prüfen lassen: Bekannte Schwachstellen des Systems
Ein Bußgeldbescheid von diesem Abstandsblitzer muss nicht das letzte Wort sein. Die verwendete Messtechnik hat bekannte Schwachstellen, die von einem spezialisierten Anwalt für Verkehrsrecht geprüft werden sollten. Ein Einspruch kann sich lohnen, insbesondere wenn ein Fahrverbot droht.
Ansatzpunkte für einen erfolgreichen Einspruch:
- Das „Einscherer-Problem“: Ein entscheidender Punkt ist, dass der Abstandsverstoß nicht nur kurzfristig bestanden haben darf. Gerade im dichten Pendlerverkehr rund um Bad Zwischenahn kommt es häufig vor, dass ein anderes Fahrzeug plötzlich und ohne Ihr Verschulden vor Ihnen einschert und so den Sicherheitsabstand drastisch verkürzt. Für einen gültigen Verstoß muss die Abstandsunterschreitung über eine längere Strecke vorliegen. Ein Anwalt kann die vollständige Videosequenz anfordern und prüfen, ob ein solcher „Einscherer“ den Verstoß ausgelöst hat.
- Fehlende lückenlose Videoaufzeichnung: Für eine rechtssichere Verurteilung muss die Messung auf einer ausreichend langen Strecke dokumentiert sein. Experten fordern oft eine lückenlose Aufzeichnung von mindestens 300 Metern vor der eigentlichen Messlinie. Ist die Videosequenz zu kurz oder lückenhaft, kann die Messung anfechtbar sein, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Abstand kurz zuvor noch ausreichend war.
- Ungenügende Fahreridentifikation durch Brückenschatten: Die Kameras sind auf einer Brücke positioniert. Je nach Sonnenstand kann der Schattenwurf der Brücke die Aufnahme des Fahrers erheblich beeinträchtigen. Ist das Gesicht auf dem Beweisfoto nicht zweifelsfrei zu identifizieren, kann die Fahreridentifikation erfolgreich bestritten werden. Dies ist ein häufiger und oft erfolgreicher Ansatzpunkt für einen Einspruch.
- Fehlerhafte Referenzlinien: Die weißen Markierungen auf der Fahrbahn dienen als Referenz für die Software-Auswertung. Sind diese durch Abnutzung, Baumaßnahmen oder Witterungseinflüsse nicht mehr exakt sichtbar oder wurde die Messanlage nicht präzise auf diese Linien eingemessen, kann dies zu massiven Messfehlern führen, die einen Bußgeldbescheid ungültig machen.
Wenn Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid erhalten haben, der auf eine Messung an diesem Blitzer auf der A28 bei Bad Zwischenahn zurückgeht, sollten Sie die Messergebnisse nicht ungeprüft akzeptieren. Eine anwaltliche Prüfung der Messakte kann sich oft auszahlen und Sie vor Punkten und einem teuren Fahrverbot bewahren.




